Nr. 085-4/05
Was ist eine Demenzerkrankung? Welche Methoden im Umgang mit dementiell erkrankten Menschen gibt es? Wie wird man mit Stress und Belastung in der Pflege demenzkranker Angehöriger fertig? Diese und andere Fragen beschäftigen pflegende Angehörige von demenzkranken Menschen. Sozialministerin Malu Dreyer will die betroffenen Menschen nicht allein lassen und hat daher gemeinsam mit den Partnern ihrer Initiative “Menschen pflegen? eine Schulungsinitiative ins Leben gerufen. Im Rahmen von Schulungen in allen Kommunen des Landes sollen den Angehörigen Informationen über die Krankheit und ihren Verlauf sowie Möglichkeiten des Umgangs mit demenzkranken Menschen vermittelt werden. Dank der Finanzierung durch die Pflegekassen kann das Programm für die Angehörigen kostenlos angeboten werden. Das Ministerium trägt die Kosten in Höhe von rund 100.000 Euro für das Projektmanagement, das von der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz übernommen wird. Es erfolgt hierbei eine enge Kooperation mit den örtlichen Diensten und Einrichtungen. Das Projekt startet am 1. August 2005 und hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Die ersten Schulungen werden im September dieses Jahres stattfinden.
“Zwischen 50.000 und 60.000 Menschen in Rheinland-Pfalz leiden an einer Demenz-Erkrankung. Betroffen von der Krankheit sind vielfach nicht nur die kranken Menschen selbst, sondern auch ihre Familien, denn rund 60 Prozent der dementiell Erkrankten werden zu Hause von ihren Angehörigen betreut und gepflegt?, so die Ministerin. Die schwierige Aufgabe bringe oft erhebliche psychische und physische Belastungen für die Pflegenden mit sich. Mit dem speziellen Schulungs- und Beratungsangebot will die Ministerin pflegende Angehörige entlasten und die häusliche Pflege stärken, da eine Demenzerkrankung vielfach der Grund für einen Umzug in ein Pflegeheim ist.
„Ich begrüße es außerordentlich, dass sich alle Pflegekassen in Rheinland-Pfalz auf den Abschluss einer Rahmenvereinbarung mit der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz verständigen konnten und damit die Grundlage für die Finanzierung der Schulungen geschaffen haben“, so die Ministerin. Die Initiative wird nach ihren Angaben auch unterstützt von den Partnern der Initiative “Menschen pflegen?. Neben dem Ministerium, den Pflegekassen und der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz sind die Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege, der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste, das Validationszentrum Bad Dürkheim, die Landeszentrale für Gesundheitsförderung, der Medizinische Dienst der Krankenversicherung und die Katholische Fachhochschule Mainz an der Entwicklung und Durchführung beteiligt.
In fünf Schulungseinheiten zu jeweils zwei Stunden in Gruppen von etwa 15 Personen sollen beispielsweise Informationen über das Krankheitsbild Demenz und seine Auswirkungen auf das Verhalten der demenzkranken Menschen vermittelt werden. “Viele pflegende und betreuende Angehörige können das Verhalten der Demenzpatientinnen und -patienten wie beispielsweise Unruhe, Aggressivität oder sich wiederholende Handlungen nicht richtig verstehen und einordnen, sie fühlen sich verletzt oder hilflos. Mit entsprechenden Methoden des Umgangs und der Kommunikation können sie lernen, besser mit psychisch veränderten Menschen umzugehen?, so die Ministerin. Eine dieser Methoden, die im Rahmen der Schulungen vermittelt wird, ist die so genannte Validation, eine international anerkannte Form der Kommunikation mit desorientierten alten Menschen. Basis ist eine wertschätzende, einfühlende Grundhaltung gegenüber den demenzkranken Menschen, die ihnen Raum für das Ausleben ihrer Gefühle und Bedürfnisse gibt. Die pflegenden Angehörigen erfahren darüber hinaus in den Schulungen, wo es weiterführende Unterstützung für die ambulante Pflege gibt oder welche rechtlichen Aspekte wie etwa Betreuung oder Vorsorgevollmacht die Krankheit haben kann. Neben der Schulung und Information wird den Angehörigen auch Raum für den Austausch miteinander gegeben.
Organisiert werden die Schulungen von der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz. Die Gesellschaft arbeitet dabei eng mit Pflegediensten, Ärzten, Beratungs- und Koordinierungsstellen und sozialpsychiatrischen Diensten, aber auch Familienbildungsstätten, Kirchengemeinden und Landfrauenverbänden zusammen, die meist gute Zugänge zu pflegenden Angehörigen haben. Bei Bedarf wird die Betreuung des demenzkranken Angehörigen während der Schulung gewährleistet. Die Alzheimer Gesellschaft wird einen Veranstaltungsplan zu den einzelnen Schulungen vor Ort erstellen, der dann aktuell unter www.menschen-pflegen.de abzufragen ist.