Nr. 058-2/06
Für die betroffenen Menschen, wie auch für Politik und Gesellschaft, ist die Arbeitslosigkeit die derzeit größte Herausforderung. Wie Ministerin Malu Dreyer heute in Mainz betonte, könnten Sozialgenossenschaften arbeitslosen Frauen und Männern Wege aus der Arbeitslosigkeit bieten, wenn sie wirtschaftlich erfolgreich arbeiteten.
Sozialgenossenschaften seien Zusammenschlüsse von Menschen, die gemeinsam soziale Verbesserungen erreichen wollten. Bei den Sozialgenossenschaften Betroffener organisierten sich Menschen zur Lösung gemeinsamer Probleme in Selbsthilfe. Als wirtschaftlich arbeitende Unternehmen mit einer sozialen Zielsetzung böten sie arbeitslosen Frauen und Männern die Chance, ihr Leben wieder selbstständig und unabhängig von Hilfe zu gestalten. "Wenn es Sozialgenossenschaften schaffen", so Ministerin Dreyer, "im richtigen Personalmix einen lokal ungedeckten Bedarf zu bedienen, können sie durchaus auch eine dauerhaft eigenständig und erfolgreich wirtschaftende Organisation aufbauen."
„Sozialgenossenschaften sind auch eine besondere Chance und Herausforderung für die Wohlfahrtsverbände, weil wir damit den Ansatz des solidarischen und selbstbestimmten Arbeitens fördern und eine arbeitsmarktpolitische Alternative, zum Beispiel zu den Ich-AGs, entwickeln können“, so Prof. Segbers, Vorsitzender der LIGA der freien Wohlfahrtspflege.
Zu diesen Ergebnissen kamen auch die Expertinnen und Experten der Fachtagung „Neue Arbeit durch Sozialgenossenschaften?!“, die am 3. Mai vom Arbeitsministerium und der LIGA in Mainz veranstaltet wurde. Die große Zahl von rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Wirtschaft, Wohlfahrtsverbänden und Kommunen übertraf die Erwartungen bei weitem - ein deutliches Zeichen für die Bedeutung und das Interesse, das dem Thema beigemessen wird.
Wie die Ministerin hervorhob, existierten auch in Rheinland-Pfalz bereits erfolgreich arbeitende Sozialgenossenschaften wie die Wohnungsgenossenschaft „Am Beutelweg“ in Trier, die bereits seit 1991 den Stadtteil mit den Bewohnerinnen und Bewohnern saniert und mittlerweile rund 480 Wohnungen und 100 Häuser verwaltet, die zu einem Großteil bereits saniert wurden. Solche Konzepte ließen sich, wenn sie verantwortungsbewusst durchdacht und ausgearbeitet würden, auch auf weitere rheinland-pfälzische Regionen übertragen und könnten so Wege aus der Arbeitslosigkeit schaffen.
Arbeitsministerium und LIGA würden das Thema weiter verfolgen. Ganz besonders begrüßte die Ministerin, dass eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Expertinnen und Experten eingerichtet werden soll, die die Aufgabe hat, Wege zu erarbeiten, Sozialgenossenschaften als mögliche Variante der Selbsthilfe in Rheinland-Pfalz zu etablieren.