Nr. 111-5/05
Wie Familienministerin Malu Dreyer heute in Mainz erklärte, stimme der vom Statistischen Bundesamtes für die Bundesrepublik festgestellte Trend, wonach immer mehr Familien bei der Bewältigung ihres Alltags von Sozialpädagogen unterstützt würden, auch für Rheinland-Pfalz. Die Sozialpädagogische Familienhilfe sei in Rheinland-Pfalz die häufigste Form der ambulanten Unterstützung und Betreuung von Eltern in Krisensituationen. Landesweit gebe es jährlich über 2000 Fälle. Die Zahl sei steigend. In fast der Hälfte der Fälle richte sich die Sozialpädagogische Familienhilfe an Familien mit drei und mehr Kindern. Damit ergäbe sich eine Gesamtsumme von etwa 5.000 betreuten Kindern und Jugendlichen.
Die Sozialpädagogische Familienhilfe sei in den einzelnen Regionen des Landes jedoch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Wie eine Untersuchung im Auftrag ihres Ministeriums ergeben habe, seien die Abweichungen im Bezug auf Bedarf und Leistung von Hilfen zur Erziehung in den 41 Jugendämtern des Landes erheblich. Die Ministerin betonte: "Ursächlich für die Unterschiede ist insbesondere, wie intensiv Familien bei der Bewältigung ihrer Erziehungs- und Familienaufgaben im Vorfeld der Hilfen zur Erziehung unterstützt werden." Ein gut ausgebautes präventives Hilfe- und Unterstützungssystem verringere die Problemverdichtungen in Familien und vermeide intensive und teure Hilfeformen, wie beispielsweise die Heimerziehung.
Um Familien in Rheinland-Pfalz noch besser zu unterstützen, habe sie im November 2004 die Initiative Viva Familia gestartet. "Mit den Maßnahmen und Projekten von Viva Familia wird Familien vor allem dort geholfen, wo sie leben und wohnen, wo Kinder aufwachsen, pflegebedürftige Angehörige betreut und Beruf und Familie miteinander vereinbart werden," erklärte die Ministerin. Dieser lokale Charakter oder die "Geh-Struktur" von Viva Familia sei kennzeichnend für die Maßnahmen dieser politische Initiative.
"Wir wollen frühzeitig alle Familien, die auf Förderung angewiesen sind, erreichen," erklärte die Ministerin. Unter der Überschrift “Familienkompetenzen stärken? gebe es ein ganzes Bündel von familienunterstützenden Maßnahmen, zu denen auch die Sozialpädagogische Familienhilfe gehöre. Eigens zur Unterstützung junger Eltern sei ein Eltern-Kurs-Programm entwickelt worden. Es vermittle den Eltern entwicklungspsychologische Grundlagen, Kenntnisse in Erziehung, Gesundheit, Pflege, Ernährung und Bewegung sowie Informationen über relevante Hilfe- und Unterstützungsangebote. Mit dem Programm "Hebammen beraten Familien" werde der intensive Kontakt der Hebammen mit den Familien vor und nach der Geburt eines Kindes genutzt, um junge Familien in der Gründungsphase zu begleiten und über geeignete Beratungs- und Hilfeangebote zu informieren. Auch Treffpunkte für junge Familien würden landesweit als Foren der Kommunikation und Familienselbsthilfe gefördert und gestärkt.
Wie die Ministerin hervorhob, sei es darüber hinaus wichtig, Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe fit zu machen für die Unterstützung von Eltern in Erziehungsfragen. Das Land unterstütze seit Jahren unterschiedliche Fortbildungsprogramme - für den Allgemeinen Sozialen Dienst, die Sozialpädagogische Familienhilfen, die Heimerziehung - mit dem Ziel, Methoden der Aktivierung und Stärkung von Elternkompetenzen zu vermitteln. Dies werde auch in den kommenden Jahren fortgesetzt.