Malu Dreyer: Auch Unternehmen sind in der Pflicht

Ältere Arbeitslose

Nr. 137-2/06

„Die Aussagen von Herrn Braun, die Wiedereingliederung älterer Arbeitsloser scheitere an der mangelhaften Qualifikation der Betroffenen, kann nicht unwidersprochen bleiben“, erklärte Arbeitsministerin Malu Dreyer heute in Mainz. Sie nahm Bezug auf entsprechende Äußerungen des Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages im Zusammenhang mit der Initiative 50plus der Bundesregierung. Braun verlagere damit das Problem auf die Arbeitslosen, ohne sich selbst als Vertreter der Wirtschaft in die Pflicht zu nehmen. „Ich sehe es aber durchaus als eine Verantwortung auch der Unternehmen, ihre Beschäftigten durch lebenslanges Lernen fit für den Arbeitsmarkt zu halten“, sagte die Ministerin.

Der Veränderungsprozess der älter werdenden Gesellschaft stelle Beschäftigte, Unternehmen und Politik gleichermaßen vor neue Herausforderungen. Die Sicherung der Lebensqualität in einer älter werdenden Gesellschaft sei nur möglich, indem ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer möglichst bis Eintritt in das gesetzliche Rentenalter im Erwerbsleben gehalten würden. Die betriebliche Realität sehe aber anders aus: Ältere Beschäftigte würden häufig aus dem Arbeitsleben gedrängt, und bei Neueinstellungen würden Ältere oft gar nicht mehr berücksichtigt. „Hier ist ein Umdenken erforderlich, denn es ist längst gründlich untersucht und erwiesen, dass ältere Beschäftigte ebenso motiviert und leistungsfähig sind wie ihre jüngeren Kolleginnen und Kollegen“, so die Ministerin.

Auch die Unternehmen seien gefordert, ihren Blick stärker auf ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu richten, nicht zuletzt um ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Sie seien daher gut beraten, die Arbeitsbedingungen an ältere Beschäftigte anzupassen und gezielte, auf ein lebenslanges Lernen ausgerichtete Qualifizierungen für die Beschäftigten anzubieten. Statt ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vorzeitig aus dem Arbeitsprozess auszugliedern, werde es künftig darauf ankommen, ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten und ihre Potenziale länger zu nutzen. Ziel müsse es sein, Arbeitsbedingungen in den Betrieben zu schaffen, die den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ein gesundes Arbeiten bis zum Erreichen des gesetzlichen Rentenalters ermöglichen. Eine Personalstrategie der Zukunft müsse das Potenzial von Alt und Jung erfolgreich einsetzen und nutzen. Dazu gehöre nicht nur ein effektiver Arbeitsschutz, sondern auch die regelmäßige Weiterbildung und Qualifizierung der Beschäftigten. „Herr Braun würde besser daran tun, sich in seinem Verband für diese Ziele einzusetzen, statt nur mit dem Finger auf andere zu zeigen“, so die Ministerin.

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