Nr. 162-4/04
„Beim Thema ?Kultursensible Pflege? sind alle Einrichtungen und Dienste der Pflege gefragt“, wie Sozialministerin Malu Dreyer heute bei einer gemeinsamen Fachtagung ihres Hauses mit der Landeszentrale für Gesundheitsförderung und der Landesbeauftragten für Ausländerfragen zur ?Interkulturellen Kompetenz in der Pflege? unterstrich. Neben den traditionellen Institutionen und Selbsthilfeorganisationen von Migrantinnen und Migranten müssten sich auch die Einrichtungen des Pflegesystems auf eine wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen ausländischer Herkunft einstellen. Nach Angaben der Ministerin leben derzeit in Rheinland-Pfalz rund 25.000 ausländische Bürgerinnen und Bürger, die 60 Jahre und älter sind. Für sie seien Pflegeangebote notwendig, die ihre spezielle Biographie und den besonderen jeweiligen Kulturkreis, dem sie entstammen, berücksichtigen.
„Die so genannte kultursensible Pflege und Betreuung nimmt Rücksicht auf die besondere Biografie und Herkunft des einzelnen pflegebedürftigen Menschen, seine Gewohnheiten und Vorlieben, weil diese Rücksicht entscheidend für eine gute Pflege und Betreuung sein kann“, so die Ministerin. Die Zahl der pflegebedürftigen Migrantinnen und Migranten sei längst keine zu vernachlässigende Größe mehr, und sie werde in den kommenden Jahren noch weiter wachsen. Hinzu komme, dass viele ältere Migrantinnen und Migranten aufgrund ungünstiger Lebens- und Arbeitsbedingungen häufiger gesundheitliche Probleme hätten als deutsche Seniorinnen und Senioren. Gleichzeitig hätten sich auch in den Migrantenfamilien die früher sehr ausgeprägten familiären Strukturen verändert, so dass die Pflege oft nicht mehr von Angehörigen übernommen werde. Das Pflegesystem der Gegenwart und der Zukunft müsse sich demnach auf eine wachsende Zahl pflegebedürftiger Migrantinnen und Migranten einstellen.
Im Rahmen ihrer Initiative ?Menschen pflegen? werde sie diesen Prozess vorantreiben, kündigte die Ministerin an. Die gemeinsame Fachtagung trage dazu bei, bewährte und neue praxisorientierte Konzepte zur Pflege und Betreuung von Menschen ausländischer Herkunft kennen zu lernen und zu diskutieren. Darüber hinaus werde das Ministerium gemeinsam mit Pflegediensten und -einrichtungen, Pflegekassen, Berufsverbänden, Beratungs- und Koordinierungsstellen und Kommunen im Landespflegeausschuss erörtern, wie die interkulturelle Kompetenz in der Pflege gefördert werden könne. Auch bei den regionalen Pflegekonferenzen soll das Thema behandelt werden.