Nr. 077-5/05
Mit einem neuen Schulungsprogramm will Sozialministerin Malu Dreyer junge Menschen fit machen im Umgang mit Geld. „Viele Jugendliche und junge Erwachsene haben eine sehr geringe Allgemeinbildung in Sachen Finanzen und Geld. Wenn dann noch Arbeitslosigkeit hinzu kommt, ist der Weg in die Überschuldung oft nicht mehr weit“, sagte die Ministerin heute bei der Präsentation des Programms. Daher richte sich das Angebot an die Gruppe der U 25, die sich in Qualifizierungs- und Eingliederungsmaßnahmen oder Arbeitsgelegenheiten befinden; die Inhalte des Bildungsangebotes seien als Module in die Maßnahmen eingebaut. Das auf ein Jahr angelegte Programm wird komplett von der norisbank AG Nürnberg mit 102.000 Euro gefördert. Theophil Graband, Vorstandsvorsitzender der norisbank AG Nürnberg, erläuterte die Motivation seiner Bank, das Projekt finanziell zu fördern.
In Rheinland-Pfalz sind nach Angaben der Ministerin schätzungsweise 120.000 Haushalte überschuldet. Insbesondere junge Menschen seien stark gefährdet, sich zu ver- und überschulden. Die Gründe seien oft vielfältig, meist kämen mehrere Faktoren wie Arbeitslosigkeit, geringes Einkommen, Trennung oder Scheidung oder eine unwirtschaftliche Haushaltsführung zusammen. „Viele überschuldete Menschen wissen zu wenig über finanzielle Zusammenhänge und geraten dadurch in eine Schuldenspirale, die sich oft immer weiter dreht, weil aufgrund finanzieller Not noch mehr Verpflichtungen eingegangen werden“, so die Ministerin.
Diesem Problem will sie mit dem Programm „Finanziell fit“ begegnen. Es sieht für die Gruppe der U 25 spezielle Schulungseinheiten im Rahmen von Qualifizierungs- und Eingliederungsmaßnahmen oder Arbeitsgelegenheiten vor, die vom Schuldnerfachberatungszentrum an der Universität Mainz gemeinsam mit dem Ministerium erarbeitet worden sind. Zentrales Ziel sei es, die Kompetenzen der jungen Menschen im Umgang mit Geld zu trainieren. Geschult werden die finanzielle Allgemeinbildung junger Menschen und ihre Fähigkeit, eine wirtschaftliche Lebensperspektive für sich zu entwickeln. Dazu gehört es, wirtschaftlich zu planen, den Konsum an den wirtschaftlichen Möglichkeiten auszurichten und krisenhafte Entwicklungen der eigenen Finanzen frühzeitig zu erkennen und gegensteuern zu können. Die Kontoführung sei bei den Schulungen ebenso Thema wie die Fähigkeit, Lohn- und Gehaltsabrechnungen zu lesen und zu verstehen oder die Risikoabsicherung bei Kreditverträgen.
Das Projekt wird von der norisbank AG finanziell gefördert. Vorstandsvorsitzender Theophil Graband erläuterte, warum: "Wir wollen mit dem Projekt "Finanziell fit" die Verbraucherkompetenz insbesondere auch bei Konsumentenkrediten stärken. Denn die norisbank setzt auf einen fairen und partnerschaftlichen Umgang mit ihren Kunden und eine Geschäftsbeziehung auf gleicher Augenhöhe. Ziel ist es, Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Rüstzeug für einen sinnvollen und risikobewussten Umgang mit Krediten an die Hand zu geben. Schließlich soll die Lust am Konsum nicht in die Überschuldung führen." Die finanzielle Vorbildung der Kunden sei ein gemeinsames Anliegen von Verbraucherschützern und Banken, um Überschuldungssituationen vorzubeugen. Sowohl für den Kunden als auch für die Bank sei der Ausfall eines Kredits die ökonomisch schlechtestmögliche Lösung, sagte Graband.
Neben der Prävention ist die Beratung in der konkreten Überschuldungssituation ein wichtiges Anliegen der Landesregierung, so die Ministerin. Ein flächendeckendes Angebot von 51 vom Land geförderten Schuldnerberatungsstellen sichere die grundlegende Beratungsversorgung für alle Menschen, die von Ver- und Überschuldung betroffen sind. Dazu trage nicht zuletzt die finanzielle Förderung des Landes bei, das allein in diesem Jahr 1,9 Millionen Euro für die Schuldnerberatung zur Verfügung stellt.