Nr. 033-4/05
Mit gezielten Maßnahmen wie betrieblichen Praktika, engen Kooperationen mit Betrieben vor Ort oder Außenarbeitsplätzen kann es gelingen, behinderten Beschäftigten den Weg aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt zu ebnen. Das ist das Ergebnis des vom Land unterstützten Projektes „Arbeitsweltbezogene Integrationsmodelle“ der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen in Rheinland-Pfalz. „Auch wenn die Ausgangslage in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit insbesondere für behinderte Menschen außerordentlich schwierig ist, dürfen und werden wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen, sie in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren“, erklärte Sozialministerin Malu Dreyer bei der Abschlussveranstaltung heute in Bad Kreuznach. Dazu bedürfe es gemeinsamer Anstrengungen von Werkstätten und Politik, aber auch der Unternehmen und Betriebe als potentielle Arbeitgeber. Das Projekt „Arbeitsweltbezogene Integrationsmodelle“ gebe dazu wertvolle Hinweise, die in Form von Handlungsempfehlungen allen Werkstätten zur Verfügung gestellt werden sollen.
Von entscheidender Bedeutung sei es, dass Werkstätten sich strukturell verändern und den Übergang geeigneter Beschäftigter in Betriebe der freien Wirtschaft als Unternehmensziel formulieren, so die Ministerin. Beispielsweise sei es denkbar, Arbeitsplätze aus Werkstätten in Betriebe auszulagern, Werkstattbeschäftigte in Praktika zu vermitteln und dazu eng mit den Unternehmen zusammenzuarbeiten. „Der Kreativität und Phantasie der Partner vor Ort sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, behinderte Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren“, so die Ministerin. Sie selbst habe in ihrem Ministerium einen Außenarbeitsplatz für eine Werkstattbeschäftigte eingerichtet und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Wichtig sei es vor allem, Vorurteile über eine vermeintlich geringere Leistungsfähigkeit bei potentiellen Arbeitgebern, aber auch Ängste bei den behinderten Beschäftigten abzubauen.
Uneingeschränkte Teilhabe, umfassende Gleichstellung und Selbstbestimmung seien die Leitlinien rheinland-pfälzischer Politik für und mit Menschen mit Behinderungen, erklärte die Ministerin. Gerade in der beruflichen Teilhabe sehe sie mit Sorge, dass aufgrund der schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt mehr und mehr vor allem psychisch behinderte und junge lernbehinderte Menschen aus dem ersten Arbeitsmarkt verdrängt würden; dadurch wachse der Druck auf die Werkstätten, Menschen aufzunehmen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen könnten. Gleichzeitig fänden Menschen, die jahrelang in einer Werkstatt für behinderte Menschen gearbeitet hätten, nur schwer oder gar nicht den Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Durch den Ausbau von Integrationsprojekten und den Aufbau von Integrationsbetrieben oder Integrationsabteilungen in Unternehmen der freien Wirtschaft solle dies in Zukunft deutlich verändert werden, so die Ministerin.