Nr. 075-5/06
Der Erfolg einer Suchtbehandlung hängt nicht zuletzt ganz wesentlich von der beruflichen Integration des betroffenen Menschen ab. Deshalb will die rheinland-pfälzische Ministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit, Malu Dreyer, die Förderung der beruflichen Integration noch stärker mit der medizinischen Rehabilitation verbinden und hat das Thema zum Schwerpunkt der diesjährigen Drogenkonferenz ihres Hauses erklärt. Rund 300 Fachkräfte und Experten der Suchtkrankenhilfe, der Arbeitsgemeinschaften und der Agenturen für Arbeit diskutierten darüber, wie die beruflichen Chancen suchtkranker Menschen verbessert werden können und welche Möglichkeiten bestehen, suchtgefährdete Menschen früher zu erreichen. Mit dabei war auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, MdB.
In Ihrem Grußwort erklärte Sabine Bätzing: "Die berufliche Integration suchtkranker Menschen ist ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Therapie. Suchtkranke brauchen die Chance, durch die Teilhabe am Arbeitsleben neue soziale Kontakte knüpfen und ihr Selbstwertgefühl aufbauen zu können. Das ist der beste Schutz vor einem Rückfall! Bei vielen Besuchen von Projekten, die Suchtkranken diese Möglichkeit geben, konnte ich zudem erleben, wie groß die Leistungsfähigkeit und Motivation bei vielen Suchtkranken ist. Hier müssen noch viele Vorurteile abgebaut werden."
Bei der Tagung wurde deutlich, dass sich aufgrund der jüngsten Arbeitsmarktreform eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Suchtberatungsstellen und Jobcentern entwickelt hat und dass es gilt, diese Kooperation weiter auszubauen, um den betroffenen Menschen frühzeitig Hilfen vermitteln zu können. Vorgestellt wurden gelungene Kooperationen, zum Beispiel zwischen der Suchtberatungsstelle des Caritasverbandes für die Region Westeifel und dem Jobcenter der Arbeitsgemeinschaft Bitburg-Prüm . Auch neue Behandlungskonzepte von Fachkliniken für eine Entwöhnungsbehandlung Suchtkranker tragen zur beruflichen Eingliederung suchtkranker Menschen bei. Hier sind beispielhaft die Kliniken Wied im Westerwaldkreis oder der „Quellenhof“, eine Einrichtung der Drogenhilfe im Landkreis Neuwied, zu nennen.
Wie wichtig Maßnahmen zur beruflichen Integration bereits während der Therapie sind, zeigt die Tatsache, dass der Anteil erwerbsloser Menschen in den Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe ansteigt. So waren nach einer Umfrage bei den rheinland-pfälzischen Fachkliniken im Jahre 2005 nur noch rund ein Drittel der Patientinnen und Patienten erwerbstätig. 1991 lag dieser Anteil noch bei rund 60 Prozent. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 25- bis 40-Jährigen. Dass durch gezielte Interventionen und Zusammenarbeit die beruflichen Chancen suchtkranker Menschen deutlich verbessert werden können, zeigen die Ergebnisse des Bundes- und Landesmodells „Jobwärts“. In rund 50 Prozent der Fälle gelang eine Vermittlung in eine sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle, Ausbildung, Umschulung, Arbeitsgelegenheit oder Trainingsmaßnahme.