Nr. 184-2/05
Vier rheinland-pfälzische Unternehmen erhielten heute in Mainz den Arbeitsschutzpreis aus der Hand des Staatssekretärs im Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit, Richard Auernheimer. „Heb?s und trag?s leichter!“, so lautete das Motto der diesjährigen Ausschreibung, die sich an Unternehmen und Betriebe richtet, die den Arbeits- und Gesundheitsschutz besonders gut in ihren betrieblichen Alltag integrieren. In diesem Jahr wurden drei Preise und ein Sonderpreis vergeben. Die Auszeichnung erhalten die Firma Adam Opel AG Kaiserslautern, die Universitätsklinik Mainz und das Landeskrankenhaus (AöR) Andernach. Der Sonderpreis geht an die Firma BASF AG in Ludwigshafen.
„Sie alle haben Vorbildfunktion, denn sie haben erkannt, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesundheitlicher Schutz der Beschäftigten Hand in Hand gehen“, sagte der Staatssekretär. Wie aktuell beispielsweise das Thema Heben und Tragen von Lasten sei, zeige die Tatsache, dass Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zu den am häufigsten genannten Gründen für krankheitsbedingte Fehlzeiten zählen. Der Arbeitsschutzpreis, der in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben wird, trage dazu bei, eine breite Öffentlichkeit, vor allem aber die Betriebe im Land für das Thema zu sensibilisieren und sie zu entsprechenden Maßnahmen zu motivieren.
Eine Jury aus Vertretern von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, der gesetzlichen Unfallversicherung, der Arbeitsmedizin sowie aus der Arbeitswissenschaft wählte die Preisträger aus.
Die Firma Adam Opel AG produziert am Standort Kaiserslautern vorwiegend Blechteile für den Zusammenbau von Automobilen. In Kaiserslautern sind 2.395 Personen beschäftigt. Die Firma hat in den 90erJahren einen „Ergonomie-Prozess“ initiiert, der seitdem kontinuierlich vorangetrieben und aktualisiert wird. Im Rahmen dieses Ergonomieprozesses wurde ein Ergonomiebeauftragter eingesetzt, der die Aufgabe hat, den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz durch ergonomische Maßnahmen zu verbessern, vor allem in Bezug auf die manuelle Handhabung von Lasten. In der Produktion in Kaiserlautern werden aufgrund der hohen Teilevielfalt an 500 Arbeitsplätzen Teile manuell bewegt. Durch organisatorische Maßnahmen wie Jobrotation, Verhaltensübungen, Trainings beim hausinternen Physiotherapeuten und technische Maßnahmen konnte die körperliche Belastung an den Arbeitsplätzen deutlich reduziert werden.
Das Universitätsklinikum Mainz hat zur Zeit circa 6.000 Beschäftigte. Es hat in den vergangenen Jahren in verschiedenen Bereichen der Klinik Maßnahmen zur Reduzierung der Belastung durch manuelles Heben, Tragen und Ziehen durchgeführt. Das Klinikum führte insbesondere das Konzept der so genannten Kinästetics im Pflegebereich ein. Dies ist ein Handlungskonzept, das zum Ziel hat, die Bewegungsfähigkeit des Menschen zu verbessern. Das Prinzip bezieht die Ressourcen der Patienten mit ein und entlastet das Personal, weil Heben und Tragen nicht mehr notwendig ist. Im Jahr 1998 wurden zudem Schulungen im Rahmen des Sicherheitskonzepts des Klinikums für die Bereiche Wirtschaftbetriebe, Technik, Reinigungsdienst und Postdienst eingeführt. Ein Schwerpunkt war auch dabei das richtige Heben, Ziehen und Tragen. Seit 2002 gibt es dazu im Klinikum eine Koordinierungsstelle Ergonomie. Ein Ergebnis dieses Prozesses waren beispielsweise Umbaumaßnahmen in der Zentralküche, die Belastungen und Gefährdungen beim Transport von Essenswagen minimieren.
Zum Landeskrankenhaus (AöR) gehören die Rheinhessen Fachklinik Alzey, die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach, die Klinik Nette-Gut, die Reha-Klinik Rheingrafenstein, die Neurologische Klinik Meisenheim, das Krankenhaus Meisenheim und das Sprachheilzentrum Meisenheim. Das Landeskrankenhaus hat 2.450 Beschäftigte. Im Jahr 2003 hat das Landeskrankenhaus das Projekt „Betriebliche Gesundheitsförderung“ eingeführt. Die wesentlichen Ziele sind der Erhalt eines guten Gesundheitszustandes der Beschäftigten und die Optimierung der Arbeitsbedingungen. Es geht darum, gesundheitliche Beeinträchtigungen zu reduzieren, Stress verursachende Arbeitsbedingungen abzustellen und Belastungen des Muskel-Skelett-Apparates zu verringern. Das Konzept setzt vor allem an der Änderung von krankmachenden Verhaltensweisen an.
Die Firma BASF AG hat sich mit ihrem langfristig angelegten Projekt zur Prävention von Rückenbeschwerden für den Arbeitsschutzpreis 2005 beworben. Am Standort Ludwigshafen sind circa 34.000 Personen beschäftigt.
Im Rahmen des Projekts konnte aufgezeigt werden, dass Präventionsprogramme zur Vorbeugung von Rückenbeschwerden, vor allem durch Optimierung von Heben und Tragen zusammen mit Rückenschulkursen dazu beitragen, Rückenbeschwerden zu vermindern und auch bedeutsame Kosteneinsparung zu bewirken.