Nr. 161-5/05
Die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe soll weiter intensiviert und verbindlicher gestaltet werden. „Ziel ist es, eine Art Frühwarnsystem zu etablieren, von dem insbesondere die Gruppe der Kinder und Jugendlichen profitieren, die in schwierigen Lebensverhältnissen aufwachsen“, betonten Bildungsministerin Doris Ahnen und Familienministerin Malu Dreyer heute im Rahmen der Fachtagung „Kooperation von Schule und Jugendhilfe - Beide Seiten profitieren!“ im Schloss Waldthausen bei Mainz. Die dabei vorgestellte und diskutierte Kooperationsvereinbarung ist Ergebnis eines zweijährigen Modellprojektes des Familien- und des Bildungsministeriums in Neustadt, Bad Dürkheim und Germersheim. Sie regelt die gemeinsamen Handlungsfelder von Schule und Jugendhilfe, die Gestaltung der Kontaktaufnahme im Einzelnen und die Institutionalisierung von gemeinsamen Fallberatungen zwischen Schule und Jugendhilfe. Die Kooperationsvereinbarung soll veröffentlicht und einer breiten Fachöffentlichkeit - Schulen, Schulaufsicht, Jugendämtern und Beratungsstellen - zur Verfügung gestellt werden.
Jugendhilfe und Schule als die beiden zentralen Erziehungs- und Bildungsbereiche außerhalb der Familie hätten eine besondere Verantwortung für Kinder und Jugendliche, die auf Grund ihrer Lebensverhältnisse mit besonderen Problemen konfrontiert würden, unterstrichen Ahnen und Dreyer. Es gehe darum, den Kooperationsgedanken umfassend strukturell abzusichern und sich nicht auf spontane situative Regelungen im Einzelfall zu verlassen. Rheinland-Pfalz verzeichnete nach Angaben der Familienministerin im vergangenen Jahr rund 16.500 Fälle von Erziehungshilfe, das sind Kinder und Jugendliche, die in der Schule, Familie und Jugendhilfe auf irgendeine Art auffällig sind. Diese Kinder kämen zumeist aus Familien, in denen die Eltern große Probleme haben, die Erziehung zu leisten, sagte Malu Dreyer. Allzu häufig schlage sich das nicht nur in Verhaltensauffälligkeiten, sondern auch in schlechten schulischen Leistungen nieder, die Auslöser für die Erziehungshilfe seien. Rund 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die in Maßnahmen der Erziehungshilfe betreut würden, hätten massive schulische Probleme. „Hier sind Schule und Jugendhilfe gemeinsam gefordert. Wir wollen aber auch, dass beide Seiten von einer engeren Zusammenarbeit profitieren“, unterstrichen Malu Dreyer und Doris Ahnen. Die Bildungsministerin unterstrich: „Die Kooperation soll auch dazu beitragen, dass Bildungserfolg weniger von der sozialen Herkunft bestimmt wird.“
Im Zentrum der Kooperationsvereinbarung stehe die gemeinsame Arbeit im Einzelfall, in die alle Beteiligten entsprechend ihrer Aufgaben ihre jeweiligen fachlichen Kompetenzen und Erfahrungen einbringen können. Festgelegt werde beispielsweise die Art und Weise der Kontaktaufnahme zwischen Jugendamt und Schule im Einzelfall sowie die Beteiligung der Eltern. Darüber hinaus beschäftigt sich die Vereinbarung mit der Frage der gemeinsamen Fallberatung. Behandelt und geklärt werden darin beispielsweise die Fragen: Wann sind solche Beratungen sinnvoll? Wie werden die Beratungen konkret ausgestaltet? Wie werden schulische und außerschulische Unterstützungsangebote miteinander vernetzt? Im Rahmen des Modellprojektes wurden bereits erfolgreich Kooperationsstrukturen von Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen in der Modellregion Vorderpfalz aufgebaut. Im Mittelpunkt standen dabei die gemeinsame Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern sowie Fachkräften der öffentlichen und freien Jugendhilfe und die Einrichtung regionaler Arbeitsforen. Das Projekt wurde vom Institut für sozialpädagogische Fortbildung in Mainz entwickelt und in Kooperation mit zwei landeseigenen Fortbildungsinstituten durchgeführt.